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Frühpädagogik offen für alle

Der Bachelor-Verbundstudiengang Frühpädagogik wird seit dem Wintersemester 2011/2012 an der Fachhochschule Südwestfalen am Standort Soest angeboten. Entstanden aus „Technikkursen für Erzieherinnen und Erzieher“ und angesiedelt im Fachbereich Agrarwissenschaft hat das Wissenschaftliche Zentrum Frühpädagogik die fachlichen und organisatorischen Aufgaben für die Implementierung des Studienangebotes übernommen. Mittlerweile gibt es neben dem berufsbegleitenden Verbundstudiengang auch einen Präsenzstudiengang.

In einem Interview erklärt Professorin Eva Briedigkeit, die den Verbundstudiengang in Soest aufgebaut und als feste Größe im Studienangebot der Hochschule etabliert hat, was sie persönlich antreibt, wie sich der Studiengang entwickelt hat und wie es mit dem B.A. Frühpädagogik weitergeht.


Foto: Eva Briedigkeit

Frau Professorin Briedigkeit, wie sind Sie zum B.A. Frühpädagogik gekommen?

Ich selbst habe eine Ausbildung als Erzieherin absolviert und auch einige Zeit in einer Kindertageseinrichtung gearbeitet, bevor ich mich entschied, Germanistik und Sozialpädagogik auf Lehramt für die Berufsschule zu studieren. Mein großer Wunsch war schon damals, die frühpädagogische Praxis weiter zu entwickeln, in diesem Bereich zu forschen und auch zu lehren.

Nach meinem Studium war ich zunächst als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der TU Dortmund aktiv und habe an einigen Forschungsprojekten am Lehrstuhl Pädagogik der frühen Kindheit mitgearbeitet. Als dann im Jahr 2011 in meiner Heimatstadt Soest eine Stelle zum Aufbau eines Studiengangs Frühpädagogik an der Fachhochschule ausgeschrieben wurde, war das eine große Möglichkeit für mich, die ich gern ergriffen habe! Seitdem arbeite ich hier am wissenschaftlichen Zentrum Frühpädagogik und habe den Verbund- und den Präsenzstudiengang mit aufgebaut. Damit geht für mich ein Traum in Erfüllung!

Was schätzen Sie besonders am Campus in Soest und in Ihrem Verbundstudiengang?

Mir gefällt es sehr, dass wir hier so eine familiäre Atmosphäre vorfinden. Ich kenne meine Studierenden praktisch alle persönlich mit Namen. Der Campus ist übersichtlich, wunderschön gelegen und einfach ideal für ein Studium auch mit Kindern – denn viele unserer Studierenden haben tatsächlich selbst neben einem anspruchsvollen Beruf auch Familie.

Studieren denn hauptsächlich Frauen den Verbundstudiengang Frühpädagogik?

Ja, das kann man schon so sagen. Aktuell haben wir eine Männerquote von 4%, Tendenz allerdings steigend. Gefördert werden könnte dies dadurch, dass wir den Studiengang nun für alle Studieninteressierten öffnen und nicht mehr nur ausschließlich für Erzieherinnen und Erzieher anbieten. Etwa 350 Studierende studieren momentan in unserem Fachbereich Frühpädagogik, ca. 60 starten jeweils neu im Wintersemester sowohl im Verbundstudium als auch im Präsenzstudiengang, der parallel läuft.

Wird die durchschnittliche Studiendauer eingehalten? Und können Sie etwas zur Absolventenquote sagen?

Die Dauer des Verbundstudiengangs umfasst 9 Semester, für ausgebildete Erzieher liegt sie bei 7 Semestern. Diese Zeit brauchen unsere Studierenden auch, es geht nicht schneller. Wie schon gesagt, haben viele bereits anspruchsvolle berufliche Aufgaben und selbst Kinder, dann ist es neben dem Job schwierig, die Fachinhalte in kürzerer Zeit zu lernen.

Unsere Abbruchquote ist sehr gering, insgesamt sind seit der Gründung bereits 65 Absolventinnen und Absolventen zum Abschluss gekommen. Außerdem gibt es ein Frühwarnsystem. So werden die Studierenden z.B. erinnert, wenn bei Prüfungen deutlich im Rückstand sind. Dann meldet sich unserer Studierenden-Coach und bietet ihnen Unterstützung an, sehr individuell und mit Blick auf die Studienverlaufsplanung vor allem auch, was die Belegung der einzelnen Module angeht. Zudem gibt er umfangreiche Tipps zum Zeitmanagement, das ist immer wieder Thema bei berufstätigen Studierenden.

Welches ist eigentlich das beliebteste Fach Ihrer Studierenden?

Das ist gar nicht so einfach zu beantworten, weil unsere Studierenden generell sehr motiviert und mit viel Freude dabei sind. Ich denke, dass alles rund um die Management-Themen sehr attraktiv ist, weil sie sich so von „normalen“ Erzieherinnen abheben und sich anders, heißt qualifizierter an ihrem Arbeitsplatz einbringen können.

Das stelle ich auch immer wieder an den sehr interessanten Themen der Bachelor-Arbeiten fest. Unsere Studierenden wollen forschen und sich für ihre Träger engagieren, Veränderungen etablieren, ihr Wissen einsetzen und etwas bewirken. Oft tragen sie mit ihren Arbeiten zur Verbesserung des Qualitätsmanagements in ihrer Kindertageseinrichtung bei.

Wie sehen die beruflichen Perspektiven der Absolventinnen und Absolventen aus?

Mittlerweile hat der Arbeitsmarkt der Kindertagesbetreuung bundesweit ein nie dagewesenes Ausmaß erreicht: Laut aktueller Daten des Fachkräftebarometers der Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte (WiFF) ist zwischen 2006 und 2016 die Zahl des pädagogischen und leitenden Personals um 62% auf rund 571.000 gestiegen. Mit den Erwerbstätigen in der Kindertagespflege umfasst die Zahl der pädagogisch Beschäftigten inzwischen 615.000 Personen. Das sind fast genauso viele Beschäftigte wie Lehrkräfte im gesamten allgemeinbildenden Schulwesen.

Da in den kommenden Jahren von einem weiteren Wachstum auszugehen ist, ist in dem gesamten Bereich der Frühen Bildung ein Mangel an Fachkräften zu erwarten. Ziel der Öffnung des Verbundstudiengangs auch für „pädagogisch nicht Vorgebildete“ ist es, Quer- und Seiteneinsteigern den Eintritt in das attraktive Berufsfeld der Frühpädagogik zu eröffnen. Zudem erhoffen wir uns, durch das Angebot einer Qualifizierung auf akademischem Niveau einen Beitrag zur Erhöhung des Anteils männlicher Fachkräfte in Kindertageseinrichtungen leisten zu können. Aktuell handelt es sich bei diesem Arbeitsfeld wie schon oben erwähnt um eine weitgehend „männerfreie“ Zone: Der Anteil männlicher Fachkräfte liegt bei unter 5%, der Zuwachs ist jedoch aus bildungspolitischer und fachlicher Sicht gewollt.

Wir beobachten außerdem, dass immer mehr akademische Fachkräfte im Bereich der Frühen Bildung nachgefragt und entsprechende Stellen ausgeschrieben werden. Unsere Absolventinnen und Absolventen können als staatliche anerkannte Kindheitspädagogen nicht nur Aufgaben in Kindertageseinrichtungen oder Offenen Ganztagsgrundschulen übernehmen, sondern auch als Fachberatung tätig sein oder an der Schnittstelle von Kindergärten und Schulen arbeiten.

Frau Professorin Briedigkeit, herzlichen Dank für das aufschlussreiche Gespräch! Wir wünschen Ihnen weiterhin viel Freude und Erfolg mit Ihren Studierenden und Ihrer Arbeit am Wissenschaftlichen Zentrum Frühpädagogik.