Lernen und Be­halten

Wer ein schlechtes Gedächtnis hat – so sagt ein indisches Sprichwort – wird nicht darum herumkommen, seine Fehler zu wiederholen.

Wir lernen unentwegt aus unseren Erfahrungen, und es ist ein wichtiger Bestandteil unseres menschlichen Selbstverständnisses, dass wir uns stetig weiterentwickeln.

Auch ein Studium bringt neue Erfahrungen mit sich. Sie eignen sich ein breites Wissensspektrum an und können hierbei unterschiedliche Trainingsmethoden für Ihr Gedächtnis einsetzen.

Erlauben Sie es sich jedoch immer, step by step zu neuen Fähigkeiten zu gelangen, in etwa so, wie es das Lernstadien-Modell nach Albert Bandura beschreibt. Machen Sie sich dabei auch kreative Techniken wie das Mind Mapping zunutze, um den Lernstoff zu strukturieren, besser anschaulich zu machen und dadurch leichter zu behalten. Dabei dürfen Sie sich auch gerne eine kleine Spick-Kartei anlegen! Und trainieren Sie Ihr Gedächtnis schließlich auch für das „harte“ Faktenwissen mit Merkmethoden , bei denen Ihre Phantasie zum Einsatz kommt.

Lernstadien-Modell von Albert Bandura

Über unsere Gewohnheiten machen wir uns keine Gedanken, solange sie uns dabei behilflich sind, unseren Alltag gut zu bewältigen.

Wenn Sie sich jedoch entschieden haben, neben Ihrer Berufstätigkeit noch ein Studium zu absolvieren, ist es eher wahrscheinlich, dass Sie zu Ihren bisher erworbenen Routinen noch weitere Fähigkeiten hinzulernen müssen. Zum Beispiel mag es neu für Sie sein, sich Wissen aus großen Textmengen anzueignen. Oder aber das Studium beinhaltet Themen, die sie bisher weder beruflich noch privat gebraucht haben. Hier nehmen Sie den (Wieder-)Einstieg ins Lernen möglicherweise als schwieriger wahr als bei anderen Fächern.

Neue Gewohnheiten und Fertigkeiten etablieren sich nicht von allein. Und gerade wenn Schulzeit oder Ausbildung schon einige Zeit zurück liegen, kann das Lernen nach Feierabend als anstrengend, wenn nicht gar frustrierend wahrgenommen werden.

Das Lernstadienmodell nach Albert Bandura macht deutlich, dass es bei der Aneignung neuer komplexer Fertigkeiten unterschiedliche Phasen gibt. Nicht in jeder Phase fühlen wir uns gleich wohl. Vielleicht erinnern Sie sich daran, wie Sie das Autofahren erlernt haben:

Sind Ihnen die Phasen beim Erlernen neuer Fertigkeiten bewusst, wird es Ihnen leichter fallen, auf den Durstrecken der 2. und 3. Phase durchzuhalten. Und gönnen Sie sich dabei ruhig auch schon eine kleine Vorfreude auf Ihr zukünftiges kompetentes und routiniertes Verhalten!

Mind-Mapping

Mind-Maps haben gegenüber einem normalen Text den Vorteil, dass man sich ihre Informationen nicht linear (also von links oben nach rechts unten) nach und nach durchliest, sondern, dass sie die Grundstruktur des Inhalts auf einen Blick darbieten.

Mehrere Seiten voller Stichpunkte, die beim Durcharbeiten eines Textes notiert wurden, bilden oft ein unstrukturiertes und unübersichtliches Durcheinander.

Dagegen ist es gerade das Prinzip des Mind-Mapping, dass sich in ihm Inhalte und Ideen skizzenhaft anordnen. Dies entspricht der Vorgehensweise des Gehirns bei der Ideensuche und ersten Verarbeitung von Wissen.

Denn während wir nach Lösungen suchen, springen unsere Gedanken hin und her, befassen sich mit dem einen Punkt und im nächsten Moment mit einem ganz anderen. Auf diese Weise sammelt das Gehirn assoziativ alles, was zu einem Thema gehört.

Die Methode ist denkbar einfach

Aus einzelnen Worten und verbindenden Linien entstehen Zeichnungen, die verschiedene Stichworte – oder auch Schlüsselworte – zu einem Thema hierarchisch ordnen.

  • Benutzen Sie für Ihre Mind-Map ein unliniertes Blatt und legen es quer – also horizontal. Dies entspricht mehr unserer bildlichen Wahrnehmung als das Hochformat.
  • Beginnen Sie nun mit dem Begriff, der für das zentrale Thema Ihrer Mind-Map steht, schreiben Sie ihn in Druckbuchstaben in die Mitte des Blattes und umrahmen ihn mit einem Kreis oder Rechteck.
  • Von dort aus zeichnen Sie zunächst die Hauptäste, die sich auf dem Blatt Papier rund um den Begriff verzweigen. Auf ihnen werden im Uhrzeigersinn bis zu sieben Oberbegriffe vermerkt, die für das Thema die größte Bedeutung haben.
  • Wiederum von jedem einzelnen dieser Begriffe werden weitere Äste abgezweigt. Auf ihnen befinden sich Unterpunkte, die die Begriffe der Hauptäste konkretisieren.

Der Übersichtlichkeit halber können Sie für jeden Oberbegriff und seine Unterpunkte eine andere Farbe wählen. Auch einfache Symbole oder Zeichnungen intensivieren die Unmittelbarkeit der Darstellung.

Auf diese Weise erhalten Sie einen Überblick über alle Informationen, die für Ihr aktuelles Thema relevant sind. Das erleichtert die Sammlung von Informationen ebenso wie ihre Speicherung im Gedächtnis und die Wiederholung zu einem späteren Zeitpunkt.

Spick-Kartei

Eine klassische Methode zur Wiederholung von Lernstoff birgt der gute alte Karteikasten. Auch wenn er heute neben den digitalen Medien etwas verstaubt und beinahe spießig anmutet, hat er doch an Effektivität nichts eingebüßt!

Schon die Auswahl und Strukturierung der Lerninhalte, die auf kleinen Karteikarten untergebracht werden müssen, erfordert eine Auseinandersetzung mit der Materie.

Übertragen Sie Merksätze, Regeln und Stichworte am besten handschriftlich auf die Karteikarte! Denn das, was wir mit der Hand schreiben, verankert sich in der Regel besser im Gehirn als Texte, die Sie sich aus dem Internet heruntergeladen und vielleicht nur einmal überflogen haben!

Mit Karteikarten können Sie gleich mehrere Sinneskanäle aktivieren: Kinästhetisch durch Ihre Handschrift, visuell durch die Strukturierung der Karten und auditiv, indem Sie sich Inhalte beim Durchsehen der beschrifteten Karten laut vorsagen und später durch jemand anderen abfragen lassen.

Übrigens eignen sich die kleinen Karteikarten auch hervorragend zur Erstellung von Spickzetteln!

Wer noch vermutet, bei dem Einsatz eines Spickzettels handle es sich um eine quasi kriminelle Methode, die mit Strafen geahndet werden kann, darf überrascht zur Kenntnis nehmen, dass mittlerweile manche Professoren ihren Studenten Spickzettel für die Klausuren wärmstens empfehlen.

Denn ebenso wie bei Karteikarten erfordert ein sinnvoller Spickzettel die Organisation Ihres Lernstoffes auf begrenztem Raum.

Und sollten Sie doch keine Spickzettel mit in die Klausur nehmen dürfen, können Sie dennoch beruhigt sein: Denn haben Sie erst einmal alle wesentlichen Informationen auf DIN A6 untergebracht, können Sie sowieso davon ausgehen, dass Sie das Meiste im Kopf haben.

Dann archivieren Sie Ihren Spickzettel ganz einfach – im Karteikasten.

Merkmethoden

Um das Auswendiglernen zu erleichtern gibt es schon seit jeher Merkmethoden, so genannte Mnemotechniken, von denen sich manche bis in die Antike zurückverfolgen lassen.

Eine der ältesten dieser überlieferten Mnemotechniken ist die Lokimethode (Locus lat. = Ort, Platz).
Fakten, wie beispielsweise lange Zahlenkolonnen, werden im Gedächtnis gespeichert, indem sie in kleinere Einheiten (z.B. in 2er Kombinationen) zerlegt werden und in einem Raum bestimmten Plätzen zugewiesen werden. Dieser Raum muss nicht real sein. Auch ein in der Phantasie vorgestellter Raum eignet sich für diese Methode. Wichtig ist hierbei nur die Detailgenauigkeit in der Vorstellung und die Eindeutigkeit in der Wahl des Platzes für die einzelnen Zahlenkombinationen. Auch Begriffe, die in einer bestimmten Reihenfolge wiedererinnert werden sollen, lassen sich auf solchen inneren Plätzen ablegen.

Merksätze und Akronyme

Auch Merksprüche und -sätze eignen sich für das Behalten von Faktenwissen. Hierbei steht der Anfangsbuchstabe eines jedes Wortes für einen Begriff, der erinnert werden soll.

Beispielsweise galt folgender Merksatz, als Pluto noch nicht aus der Zunft der Planeten verbannt war:

Dieser einfache Satz erzählt scheinbar eine alltägliche Begebenheit und kann dadurch selber leicht behalten werden. Durch seine Anfangsbuchstaben verweist er nicht nur auf Anzahl und Namen der Planeten des Sonnensystems, sondern zählt sie darüber hinaus auch in der Reihenfolge auf, in welcher sie der Sonne am nächsten stehen.

Eine weitere Methode, die den Merksätzen ähnelt, ist die Bildung von Akronymen. Diese Kunstworte werden ebenfalls aus den Anfangsbuchstaben der zu lernenden Begriffe gebildet.

So verbergen sich hinter dem schwungvollen Akronym „WUMS“ die Rechte eines Käufers beim Kaufvertrag, nämlich: Wandlung, Umtausch, Minderung und Schadenersatz.

Egal für welche Merkmethode Sie sich entscheiden, achten Sie darauf, dass das Faktenwissen assoziativ mit Alltagsbegebenheiten verknüpft wird und/oder besonders eingängig klingt, denn ohne den persönlichen Bezug kann auch ein Akronym zum zusätzlichen Lernstoff werden!

Am besten erfinden sie Merksätze und Akronyme in Ihrer Lerngruppe. Das macht Spaß und nimmt dem Lernstoff seine Trockenheit. Und das steigert die Merkfähigkeit!