Lesen und Er­fassen

Manchmal sind Sie vielleicht etwas geplättet von der Fülle des Lernmaterials, das Sie in Gestalt der Lerneinheiten mit jedem neuen Semester in die Mangel nimmt!

Dabei sind wir es doch gewohnt, täglich jede Menge zu lesen: Schlagzeilen, Werbeplakate, Straßenschilder. Auf unserem Weg durch die Zivilisation entziffert das Auge unentwegt Zeichen und entnimmt ihnen Informationen.

Wir sind so getrimmt auf die Fertigkeit des Lesens, dass es uns gar nicht möglich ist, ein Wort nicht zu lesen, auf das unser Blick fällt! Wenn es gar in unserer Muttersprache geschrieben ist, erfassen wir seine Bedeutung gleichsam gezwungenermaßen!

Wussten Sie aber, dass das Lesen eigentlich ein ganz unnatürlicher Vorgang ist? Einer, der zumindest nicht gerade zugeschnitten ist auf die Funktionsweise unserer Augen und des Gehirns?

Grundsätzlich wird das Auge angezogen von Bewegung und wir reagieren sofort. Denn die blitzschnelle visuelle Wahrnehmung hat schon so manchem unserer Vorfahren das Leben gerettet.

Dagegen übt alles Statische – beispielsweise die Buchstabenkolonnen einer Lerneinheit! – leider so gar keinen unmittelbaren Reiz auf das Auge aus.

Bleiben Sie also selbst in Bewegung, während Sie sich neue Inhalte aneignen. Nämlich einfach durch die Art und Weise, wie Sie das Lesen und Erfassen handhaben:

  • Durchforsten Sie die Wissensgebiete gründlich mit der SQ3R-Methode ,
  • doch gehen Sie zuvor ruhig auf die Suche nach Wissenswertem, indem Sie sich erlauben, Texte auch mal sehr schnell zu lesen,
  • sammeln Sie dann die neuen Informationen mit dem Puzzle-Lesen und
  • bannen Sie schließlich Ihre Lernerfahrungen als erste Erinnerungsskizzen auf Mind-Maps!

SQ3R-Methode

In 5 Schritten durch die Lerneinheit

Es gibt eine Lernmethode, die sich besonders bewährt hat, wenn es um das Erarbeiten und Behalten von neuen Wissensgebieten geht. Sie geht in 5 Schritten vor und heißt SQ3R-Methode.

Die Bezeichnung steht für:

S = Survey – Überblick gewinnen
Q = Question – Fragen stellen
R = Read – Lesen
R = Recite – Wiedergeben
R = Review – Überprüfen

Und so geht’s!

Zunächst nehmen Sie sich die Lerneinheit vor. Dann verschaffen Sie sich einen Überblick (Survey), in dem Sie sich den Aufbau, die Gliederung und die Überschriften ansehen und vielleicht stichprobenartig einige Sätze lesen.

Beispiel: Eine VWL-Lerneinheit ist in zwei Überschriften aufgeteilt:
1. Produktion von Gütern
2. Wirtschaftliches Handeln und Entscheiden

Im nächsten Schritt stellen Sie Fragen (Question). Zum Beispiel zu den Begriffen in den Überschriften. Diese Fragen halten Sie am besten schriftlich fest.

Beispiel:
1. Was muss bei der Produktion von Gütern beachtet werden?
2. Wie wird Handeln wirtschaftlich? Wie entscheidet man wirtschaftlich?

    Lassen Sie dabei alle Fragen zu, die Ihnen einfallen! Fragen, die sich aufdrängen, deren Antworten Sie interessieren und nicht nur solche, von denen Sie erwarten, dass sie von dem Text beantwortet werden müssten.

    Die 3 Rs:

    Nun geht’s ans Lesen. (Read)
    Beim Lesen gehen Sie abschnittsweise vor und versuchen dabei, Antworten auf Ihre Fragen zu finden. Sicher werden einige Ihrer Fragen offen bleiben. Prima! Diese Fragen gehören in die nächste Präsenzveranstaltung. Ihr Dozent wird sich freuen! Natürlich werden Sie auch Informationen erhalten, die Sie nicht Ihren Fragen zuordnen können. Ihre gesteigerte Erwartungshaltung wird Ihnen aber helfen, auch diese Inhalte aufmerksamer zu lesen.

    Mit dem nächsten Schritt werden Sie den Text wiedergeben (Recite).

    Das hat den Sinn zu überprüfen, ob man den Text wirklich verstanden hat. Die Verständniskontrolle ist an effektivsten, wenn man das Gelernte laut vor sich her sagt (rezitieren) oder die zentralen Punkte schriftlich fixiert. Durch die eigenen Sätze wird der fremde Stoff gewissermaßen zum eigenen Denkprozess. Die schriftliche Form hat den praktischen Vorteil, dass man auch gleich ein Exzerpt zur Prüfungsvorbereitung hat.

    Zum Schluss wird wiederholt (Review).
    Die Wiederholung sollte nicht erst kurz vor der Prüfung stattfinden, sondern zeitlich bald nach dem Zusammenfassen bzw. Beantworten der Fragen. Dazu legen Sie Ihre Aufzeichnungen zur Seite und nehmen die Lerneinheit wieder zur Hand. Überfliegen Sie die Überschriften, erinnern Sie Ihre Fragen und versuchen Sie – am besten wieder laut – die Antworten zu geben. Mit einem Blick auf Ihre Notizen überprüfen Sie Ihre Antworten.

    Und jetzt sind Sie dran…

    Unten finden Sie ein Formular (PDF), das Ihnen helfen kann, die SQ3R-Methode anzuwenden. Wir haben die SQ3R-Methode um die Möglichkeit erweitert, nach dem Fragen-Stellen erstmal eigene Antworten zu geben – ohne jedes Wissen aus der Lerneinheit. Das erleichtert Ihnen den Einstieg und macht neugierig auf die Antworten aus den Lerneinheiten.

    Beispiel:  
    Frage: Was muss bei der Produktion von Gütern beachtet werden?
    Antwort: Wo die Rohstoffe herkommen, was sie maximal kosten dürfen, damit ich noch was verdiene! 

    Probieren Sie es doch gleich mal aus!

    Sie können den Antwortteil beliebig ausweiten, zwischendurch ergänzen und Ihrem Wissensstand anpassen. Das Ergebnis ist eine echte Hilfe für Ihre Prüfung!

    Good Luck!

    Übungen als PDF herunterladen

    Schnell lesen

    Auf welche Weise lesen Sie, wenn Sie einen neuen Text zur Hand nehmen? Versuchen Sie wirklich sofort, jedes einzelne Wort aufzufassen und haben dabei ihre Stimme im Ohr, die den Text innerlich auditiv verarbeitet?

    Dann geben Sie sich zu viel Mühe!

    Erlauben Sie sich einmal, mit Ihren Augen über den Text zu huschen und dabei deutlich schneller zu lesen als sie sprechen können! Füllwörter wie „der, die, das, und, dann etc.“ können sie geflissentlich ganz überlesen.

    Versuchen Sie beim ersten Überfliegen eines Textes gar nicht, schon seinen Sinn zu erfassen, sondern scannen Sie ihn eher nach Schlüsselwörtern, die für Sie von Interesse sein könnten.

    Dabei können Sie feststellen, inwiefern der Text schon jetzt Anknüpfungspunkte an Ihr Vorwissen hat. Vielleicht tauchen in Ihrem Hinterkopf nun auch Fragen auf, von denen Sie beim Überfliegen ahnen, dass der Text Sie Ihnen beantworten wird. Dann verweilen Sie ruhig auch mal kurz bei einzelnen Abschnitten, bevor Ihr Blick weiter über die Zeilen jagt.

    Blättern Sie vor und zurück und durchforsten Sie Inhaltsverzeichnis, Überschriften und Zusammenfassungen nach Bruchstücken von Informationen, die Ihre Neugier wecken.

    Denn haben Sie einmal wirklich angebissen, dann können Sie zum Puzzle-Lesen übergehen und sich genauere Informationen aus dem Text holen.

    Puzzle lesen

    Haben Sie als Kind gerne gepuzzelt? Können Sie sich noch erinnern, wie spannend es war, aus einem lückenhaften Mosaik ein vollkommenes Bild entstehen zu sehen?

    Und können Sie sich vorstellen, das es mit dem Lesen ähnlich spannend zugehen könnte wie mit einem Puzzle, selbst wenn der Lernstoff noch so trocken ist?

    Dann lassen Sie sich überraschen! Für den Anfang brauchen Sie nichts als ein bisschen Neugier…


    Puzzle lesen

    Haben Sie als Kind gerne gepuzzelt? Können Sie sich noch erinnern, wie spannend es war, aus einem lückenhaften Mosaik ein vollkommenes Bild entstehen zu sehen?

    Und können Sie sich vorstellen, das es mit dem Lesen ähnlich spannend zugehen könnte wie mit einem Puzzle, selbst wenn der Lernstoff noch so trocken ist?

    Dann lassen Sie sich überraschen! Für den Anfang brauchen Sie nichts als ein bisschen Neugier…

    Vielleicht ist es in Ihrem beruflichen Kontext nicht notwendig, große Textmengen zu verarbeiten, um erfolgreich arbeiten zu können. Ein Studium – und gerade ein Verbundstudium, setzt jedoch voraus, dass sie sich durch die Lerneinheiten und weiterführende Literatur mit Wissen versorgen.

    Lesen ist wie jede andere Tätigkeit auch eine Fertigkeit, die geübt werden muss. Vielleicht haben Sie den Eindruck, dass Sie sich nur mühevoll und sehr langsam durch den Stoff quälen und sich am Ende eines Kapitels nicht mehr daran erinnern können, was nun eigentlich genau im Text steht.

    Wie kommen Sie denn im Alltag an Informationen, die Sie interessieren? Stellen Sie beispielsweise einem Gesprächspartner eine allgemeine Grundsatzfrage und lassen ihn dann einen umfassenden Vortrag halten?

    Wahrscheinlich beginnen Sie eher mit Fragen, die Sie tatsächlich beschäftigen, weil diese anknüpfen an das, was Sie schon wissen. Und jede weitere Information, die Sie verarbeiten, ruft neue Assoziationen und weitere Fragen auf den Plan. So verlaufen Gespräche, in denen sich ein Informationsaustausch entwickelt!

    Ähnlich wie bei einem Puzzle, bei dem man erst die einfachsten Teile legt: Ecken, Außenkanten, markante Bildpunkte. Und von dort aus zu den anspruchsvolleren Bereichen fortschreitet.

    Auf diese Weise können Sie auch die Aufnahme von Informationen aus einer Lerneinheit wie ein Puzzle behandeln, indem Sie Ihre ganz konkreten Fragen an den Text stellen:

    • Was interessiert mich gerade vordringlich an diesem Thema?
    • Was weiß ich schon darüber?
    • Welche Aspekte dieses Vorwissens möchte ich anhand der Lerneinheit zuerst vertiefen?
    • Welche Fragen stellen sich mir daraufhin?
    • Und an welcher Stelle zuerst lässt sich dieses neu erworbene Wissen mit weiteren Informationen aus der Lerneinheit verknüpfen?

    Sie werden feststellen, dass es Ihnen mit dieser Technik viel leichter fallen wird, das, was Sie gelesen haben, auch zu verarbeiten!

    Erinnerungsskizze

    Vielleicht haben Sie es sich schon öfter mal vorgenommen, die Inhalte der Präsenzen noch einmal schriftlich zusammenzufassen, solange die Erinnerung noch frisch ist. Aber dann empfanden Sie es doch als zu mühsam, auf dem Heimweg in Bus oder Bahn – oder gar zu Hause, wenn der wohlverdiente Samstag-feier-abend winkt – wohlgeordnete Sätze zu den verschiedenen Etappen des Präsenztages zu finden!

    Und unverrichteter Dinge landet der Notizblock im Schreibtisch.

    Versuchen Sie doch mal was anderes! Und erstellen Sie Mind-Maps in der Geschwindigkeit, in der Sie die Erinnerungsfetzen an den soeben vergangenen Präsenztag wahrnehmen.

    Nehmen Sie sich für jedes Fach, das an diesem Samstag behandelt worden ist, ein Blatt in mindestens DIN-A-4 Format und halten Sie bunte Stifte bereit.

    Und dann lassen Sie Ihre Gedanken einfach sprudeln.

    Machen Sie sich bewusst, dass diese Mind-Maps Ihre persönlichen Erinnerungsstützen sind.

    Vielleicht können Sie sich ja die Inhalte sogar noch besser vergegenwärtigen, wenn auch die ein oder andere persönliche Erfahrung in einem Schlüsselwort auf Ihrer Mind-Map Platz findet!

    Übrigens sollten Sie auf keine dieser Mind-Maps mehr als fünf Minuten verwenden!

    Und je öfter Sie diese kleine Technik anwenden, desto besser und detaillierter werden Sie den Stoff der Präsenztage in Erinnerung behalten.

    Darüber hinaus können diese kleinen Momentaufnahmen auch eine gute Diskussionsgrundlage für die gemeinsame Nachbereitung der Präsenzen in den Arbeitsgruppen bieten!