Das Begriff Mnemo-Technik stammt aus dem griechischen mnêmon (Gedächtnis, Erinnerung) und téchnē (Kunst), und bezeichnet als „Gedächtniskunst“ verschiedene Merk- und Gedächtnishilfen (oder auch Eselsbrücken), die das Auswendiglernen erleichtern und die Behaltensleistung steigern. Hier geht es weniger um das grundlegende Verständnis für den Lernstoff, sondern vielmehr um das Training Ihrer Merkfähigkeit.

Mit dem folgenden Überblick über einige Prinzipien und Funktionsweisen von Mnemo-Techniken möchte wir Ihnen einen Einblick geben, wie Sie diese Techniken für Ihr Lernen sinnvoll nutzen können. Mit Hilfe von Mnemo-Techniken können Sie Ihr Gedächtnis trainieren, um auch größere und sperrigere Wissensmengen besser behalten und abrufen zu können. Mnemo-Techniken machen sich ebenfalls die Funktionsweisen beider Gehirnhälften zunutze (s.o.), indem die Lerninhalte spielerisch mit Assoziationen, Bildern, Geschichten, Schlüsselworten, Räumen, Orten, Symbolen oder Zahlen verknüpft werden (Heister 2007, S. 23ff.).

Mnemo-Techniken eignen sich daher eher für das Auswendiglernen z.B. von Vokabeln, Begriffen, Formeln, etc.. Sie ersetzen aber keineswegs ein grundlegendes Verständnis der Lerninhalte und fachlichen Zusammenhänge.

Lernen mit Assoziationen, Schlüsselwörtern, Bildern und Geschichten

Das Prinzip des Lernens mit Mnemo-Techniken funktioniert über die gedankliche Verknüpfung von Lerninhalten mit spontanen Assoziationen in Form von Bildern, Schlüsselwörtern oder Geschichten, die bereits in Ihrem Gedächtnis abgespeichert sind. Dies können z.B. Schlüsselwörter oder bildliche Vorstellungen sein, die Ihnen spontan dazu einfallen und die möglichst originell sind. Hier sind Ihrer Fantasie keine Grenzen gesetzt, insofern ist die Arbeit mit Assoziationen immer eine sehr individuelle Angelegenheit. Probieren Sie es aus!

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Textversion

Beispiel/Übung: Versuchen Sie sich den folgenden Satz eine Minute lang einzuprägen und ihn anschließend frei wiederzugeben:


„Ein Zweibein saß auf einem Dreibein und aß ein Einbein.
Da kam ein Vierbein und stahl dem Zweibein das Einbein.
Daraufhin nahm das Zweibein das Dreibein und warf es nach dem Vierbein.“

Beim Einprägen dieses Satzes werden Sie zunächst vielleicht etwas verwirrt sein. Doch relativ schnell werden Sie merken, dass Ihnen schon automatisch bildliche Assoziationen zu einem Menschen (Zweibein), einem Hocker (Dreibein), einer Hähnchenkeule (Einbein) und einem Hund (Vierbein) in den Sinn kommen. Wenn Sie diese bildlichen Vorstellungen in der richtigen Reihenfolge miteinander verknüpfen, wird es Ihnen viel leichter gelingen, diesen Satz in kurzer Zeit auswendig zu lernen.

Wenn Sie diese Grundregeln beachten, sollte es Ihnen mit etwas Übung nicht schwerfallen einprägsame Assoziationen zu bilden. Durch möglichst häufiges Anwenden dieser Technik können Sie es schon nach wenigen Übungsdurchgängen schaffen, sich zwanzig und mehr Dinge oder Stationen einer komplexeren Abfolge von Lerninhalten oder einer Argumentationskette einzuprägen.

Geschichten-Methode

Beim „Zweibein“-Beispiel haben Sie gesehen, wie man einer kleinen und etwas wirren Geschichte durch bildliche Verknüpfung einen Sinn verleihen kann, durch welchen das Einprägen besser gelingt. Lerninhalte in einer komplexeren Abfolge können Sie z.B. auch mit längeren bildlich vorgestellten Geschichten verknüpfen, die Sie um die Lerninhalte weben. Dabei können Sie Ihrer Fantasie freien Lauf lassen. Die Verknüpfungen müssen lediglich so gestaltet sein, dass Sie von einem gelernten Gegenstand direkt zum Nächsten gelangen. Daraus ergeben sich folgende Grundregeln für das Bilden assoziativer Verknüpfungen:

  • Die Assoziationen sollten möglichst ausgefallen sein - alles ist hier erlaubt.
  • Versuchen Sie alle Sinne mit einzubeziehen, d.h. sehen, riechen, hören und schmecken Sie die Dinge.
  • Bringen Sie Action in die Bilder, sie sollten möglichst bewegt sein.
  • Übertreiben Sie ruhig, was Form und Größe der Dinge betrifft.

Stellen Sie sich gedanklich Ihre Wohnung mit den vertrauten Räumen und Einrichtungsgegenständen vor. Verknüpfen Sie nun z.B. eine Reihe von zu lernenden Begriffen mit den verschiedenen Räumen und Gegenständen in einer Ihnen plausibel erscheinenden Reihenfolge. So können Sie gedanklich Ihre Wohnung abschreiten und die dort bildlich hinterlegten Informationen abrufen.

Loci-Methode

Eine weitere Mnemo-Technik ist die sog. Loci-Methode (lat. locus = Ort; Metzig/Schuster 2006, S. 56ff.).  Diese Technik benutzten bereits Redner im antiken Griechenland, um sich – mangels geeigneter Aufzeichnungsmedien – die Stationen der Argumentation bzw. die Gliederung ihres Vortrags einzuprägen und beim Vortrag abrufen zu können. Mit der Loci-Methode werden Lerninhalte mit Orten oder markanten Punkten eines Weges, die Ihnen vertraut sind, verknüpft. Dies kann z.B. der tägliche Weg zur Arbeit oder nach Hause sein, ein Ihnen vertrauter Spazierweg, der Weg durch Ihre Wohnung oder einfach nur Ihr Arbeitszimmer mit den Ihnen vertrauten Einrichtungsgegenständen.

Merksatz-Methode

Eine Ihnen vielleicht schon bekannte Methode ist das Auswendiglernen mit Merksätzen oder sog. Eselsbrücken. Beispielweise kann man sich die Grundstimmung der sechs Saiten einer Gitarre mit dem folgenden Merksatz schnell einprägen:

Zahlen-Symbol-Methode

Eine weitere Möglichkeit besteht darin, z.B. zu lernende Zahlen mit Symbolen zu verknüpfen, die man sich einprägt:

Gemeinsam ist diesen Mnemo-Techniken, dass sie Abstraktes mit sinnlich-bildlichen Vorstellungen verknüpfen und somit mit Inhalt, Sinn und Bedeutung füllen.

Versuchen Sie, dieses Prinzip auf Ihre Lerninhalte zu übertragen und anzuwenden, z.B. auf eine längere Definition oder eine Abfolge von bestimmten Verfahrensschritten.